Mit einer Länge von 242 km ist die Lahn viertlängster Zufluss des Rheines in Deutschland. Charakteristisch für die Lahn sind starke Schwankungen des Wasserstandes – in Marburg kann die Wasserführung bei Hochwasser den mittleren Abfluss um mehr als das Zwanzigfache
überschreiten. Dort, wo das Flussbett durch Deiche begrenzt ist, oder in Engtalabschnitten kommt es im Zuge von Hochwässern zu einem Ansteigen desWasserstandes um mehrere Meter. Ein besonders rasches und starkes Ansteigen der Wasserführung erfolgt vor allem
dann, wenn Schneeschmelze und ergiebige Regenfälle zeitlich zusammenfallen. Große Hochwasserschäden im Lahntal entstanden u. a. in den Jahren 1909 und 1946, jeweils im Februar.
Bereits in der frühen Nachkriegszeit setzten daher Planungen ein, die Hochwasserschwellen durch die Anlage von Rückhaltebecken in der Lahn und ihren Zuflüssen zu begrenzen. Daraus resultierten zunächst - noch in den fünfziger Jahren in Angriff genommen - die Anlage zweier
Rückhaltebecken im Einzugsgebiet bzw. im Tal der Ohm, dem wichtigsten Zufluss der Lahn. Die anfangs gehegte Absicht, im oberen Lahntal die Gefahr von Hochwasserschäden durch Errichtung einer großen Talsperre oberhalb von Bad Laasphe zu mindern, erwies sich aber als
nicht umsetzbar. Seit der Mitte der siebziger Jahre wurde daher der Bau mehrerer kleinerer Rückhaltebecken angestrebt.
Intensive und andauernde Niederschläge im Rothaargebirge und seiner Umgebung vom 4. bis in die Nacht zum 7. Februar 1984 verursachten ein extremes Ansteigen der Wasserführung der Lahn und ihrer Zuflüsse. Erstmals seit dem 2.Weltkrieg musste im Landkreis Marburg-
Biedenkopf Katastrophenalarm ausgerufen werden. In der Stadt Marburg konnte das Überfluten großer Teile der Innenstadt nur dadurch verhindert werden, dass an zahlreichen Stellen die Deiche durch Sandsäcke erhöht wurden. Viele kleinere Orte im Lahntal wurden zumindest teilweise überflutet. Die Schadenshöhe erreichte dreistellige Millionenbeträge.
Nördlich von Breidenbach unterspülten die Fluten der Perf den Damm der Nebenbahn Dillenburg –Wallau. Eine Diesellok sackte ins Wasser, die Strecke war mehrere Tage unterbrochen.
Die Katastrophe ließ unmissverständlich die Dringlichkeit weiterer Maßnahmen zum Hochwasserschutz im Lahntal deutlich werden. Dass es tatsächlich zu raschem Handeln kam, lag daran, dass schon zuvor die planerischen Vorarbeiten weit gediehen waren: Am 20. Juni 1979 hatten die Kreise Siegen-Wittgenstein und Marburg-Biedenkopf den Wasserverband
»Oberes Lahntal« gegründet. Seine Aufgabe liegt darin, Anlagen zur Speicherung des Hochwasserabflusses einerseits und zur Niedrigwasseranreicherung andererseits im Einzugsgebiet der oberen Lahn bis zur Einmündung der Wetschaft in diese zu errichten und zu
betreiben. Unmittelbar nach Verbandsgründung hatten konkrete Planungen zur Schaffung eines Rückhaltebeckens im Perftal oberhalb von Breidenstein begonnen, das Planfeststellungsverfahren war 1981 eingeleitet worden.
Dank zügiger Mittelbewilligung unter dem Eindruck der Katastrophe konnte noch 1984 mit dem 1. Abschnitt der Bauausführung, der Höherlegung der Bundesstraße 253, angefangen werden. Am 18. September 1993 wurde das "Hochwasserrückhaltebecken Breidenstein/Perf" offiziell dem Betrieb übergeben.
Im Gegensatz zu den beiden Rückhaltebecken im Einzugsgebiet der Ohm war hier an der Perf ein Dauerstau vorgesehen – d. h. ein Stausee entstand, der eine Ausdehnung von 18 ha, im Falle maximalen Aufstaus von 53 ha aufweist.
Quer durch das Perftal oberhalb des zur Stadt Biedenkopf gehörenden Ortes Breidenstein entstand ein ca. 500 m langer Damm, dessen Krone sich 12 m über der Talsohle befindet. Üblicherweise beträgt die Seespiegelhöhe 301 m und liegt damit ca. 4 m über der Talsohle beim Damm. Maximal kann bis auf eine Höhe von 307,40 m hochgestaut werden, der Wasserinhalt des Sees würde sich dann auf 2,215 Mio. m³ belaufen.
Im äußersten Fall gibt der See eine Wassermenge von 178m³/sec. ab – das entspricht dem 3,2-fachen der mittleren Wasserführung der Lahn bei ihrer Einmündung in den Rhein bzw. dem
Einhundertfachen der mittleren Wasserführung der Perf!
Bei der Perftalsperre handelt es sich nicht um die einzige Hochwasserschutzmaßnahme an der Lahn aus neuerer Zeit. Ergänzend wurden an vielen Stellen im Lahntal Auslaufflächen für Hochwasser geschaffen. Zeitlich parallel zur Perftalsperre entstand an der Aar bei Niederweidbach ein weiteres, gleichfalls ständig zum See aufgestautes Rückhaltebecken. Offenbar mit Erfolg – eine Situation, wie sie im Februar 1984 großräumig auftrat, hat es seitdem im Lahntal nicht wieder gegeben und das, obwohl auch in den folgenden Jahre durchaus stattliche Niederschlagsereignisse im Einzugsgebiet der Oberlahn zu verzeichnen waren.
Binnen weniger Jahre hat sich der Perfstausee zu einem beliebten Ziel im Naturpark Lahn-Dill-Bergland für Erholungssuchende, Sportler und Naturfreunde aus Nah und Fern entwickelt. Im Sommer ist vom 15. Juni bis 31. August ein Teil der Wasserfläche zum Baden freigegeben (kostenfrei). Das Wasser wird dann regelmäßig gemäß EU-Badegewässerverordnung untersucht (siehe: http://badeseen/hlug.de/).
Eine großzügige Liegewiese sowie ein Badestrand stehen für Badegäste zur Verfügung. Die DLRG stellt in der Badesaison samstags und sonntags eine Aufsicht. Bei guten Wetterbedingungen können sonntags auch Boote ausgeliehen werden. Rund um den See führt ein kinderwagentauglicher Spazierweg, der das ganze Jahr Entspannung verspricht.
Das angrenzende Naturschutzgebiet »Im Wehr bei Breidenstein« bietet vor allem Wasservögeln ein Refugium. Von einem eigens eingerichteten Beobachtungspunkt haben Naturfreunde die artenreiche Tierwelt gut im Blick.
Direkt am See erwartet Sie das Restaurant und Café „Seeblick Haus am Perfstausee“. Ob für den großen Appetit oder den kleinen Hunger – der Seewirt bietet eine abwechslungsreiche Speisekarte und verwöhnt Sie gerne mit seinen köstlichen Kreationen. Übrigens: Unter Genießern längst kein Geheimtipp mehr ist die Einkehr zum sonntäglichen Nachmittagskaffee mit frischgebackenem Kuchen oder Waffeln.
Neben der herrlichen Mittelgebirgslandschaft des Naturparks Lahn-Dill-Bergland, in die der Perfstausee eingebettet ist, gibt es noch viel mehr zu entdecken. Verknüpfen Sie einen Ausflug zum See doch mit einem Besuch der weiteren Attraktionen in unmittelbarer Nähe, z. B. dem Freizeitzentrum Sackpfeife oder Schloss Biedenkopf mit dem Hinterlandmuseum.
Das ausgedehnte Radwegenetz an der oberen Lahn lässt keine Wünsche offen. Auf qualitativ hochwertigen Wegestrecken und dank der abwechslungsreichen Topografie kommen sowohl die Familie auf dem Sonntagsausflug auf ihre Kosten wie der geübte Bergradler.
Die ideale Lage des Perfstausees im Schnittpunkt zahlreicher regionaler und überregionaler Radwege hat ihn zu einem beliebten Ziel von Radausflügen im Lahn-Dill-Bergland gemacht. Unweit verläuft beispielsweise der Lahntalradweg, welcher auf 245 km Länge das romantische Flusstal erschließt. Gleich zwei hessische Radfernwege können vom Perfstausee aus in Angriff genommen werden:
Sie erradeln Hessen quer auf dem R 2 (Vier-Flüsse-Tour, von Wallau über Alsfeld – Fulda bis über den Spessart nach Bayern, ca. 195 km) oder entdecken auf dem R 8 Hessens Westen (Ederbergland – Westerwald – Taunus – Bergstraße, von Frankenberg bis Heppenheim, 310 km). Der Seenradweg (Breidenstein – Niederweidbach, 44 km) verbindet nicht nur Perfstausee und Aartalsee, sondern über diesen Regionalweg erreichen Sie auch den Salzböderadweg (Hartenord – Odenhausen, 29 km). Über die bereits vorgestellten Wege haben Sie darüber hinaus Anschluss an weitere Radfernwege wie beispielsweise den Ederradweg (180 km) oder den R 6 (Nord-Süd-Route vom Waldecker Land ins Rheintal, 380 km).
Und wer die ganz große Herausforderung sucht, dem sei der deutschlandweite Radwanderweg D 4 empfohlen: Auf seinem Weg von Aachen nach Dresden passiert er auch den Perfstausee.
Damit das Radeln auch wirklich zum Spaß wird, sorgt eine attraktive Infrastruktur mit Wegweisungssystem, Infotafeln, Rastplätzen und Fahrradabstellanlagen für ein angenehmes Umfeld. An Knoten und Kreuzungen erleichtern Wegweiser die Orientierung. Ortsinfotafeln
informieren über Sehenswürdigkeiten, Einkehr-, Einkaufs-, Übernachtungsmöglichkeiten und weisen auf die kleinen und großen Attraktionen rechts und links des Weges hin.
Gleichzeitig ist die obere Lahn unter dem Begriff »StadtLandLahn« mittlerweile auch Synonym für eine erlebnisreiche Wanderwelt mit geprüften und zertifizierten Premium-Wanderwegen. Ob auf den mehrtägigen Traumrouten oder den eintägigen Extratouren – jede der zwischen 6 und 85 km langen Strecken verspricht Genusswandern auf jedem Meter (weitere Informationen zu den Wegen finden Sie im Bereich "Premium-Wandern" auf unserer Homepage ... hier).
Und auch hier bietet der Perfstausee Anschluss auf kurzen Wegen. So lädt der Boxbachpfad, dessen Ausgangspunkt in Wiesenbach nur 2 km westlich vom Südende des Perfstausees entfernt liegt, auf 16,2 km zum »Berg und Tal für Grenzgänger« ein, und die nahegelegene
Lahnhöhentour, die von Biedenkopf in südliche Richtung ausgeht, verspricht 37 anspruchsvolle und attraktive Kilometer.
Nicht zu vergessen das üppige lokale Wanderwegenetz im Luftkurort Biedenkopf, der als waldreichste Stadt Hessens gilt.
Es lohnt auch ein Blick in das westlich benachbarte Nordrhein-Westfalen. Der Kurort Bad Laasphe verfügt über ein beeindruckendes Wanderwegenetz von 350 km Länge.
Der Perfstausee liegt südlich des Stadtteils Breidenstein der Stadt Biedenkopf direkt an der B 253. Für Gäste, die mit dem Auto anreisen, stehen ausreichend Parkplätze kostenfrei zur Verfügung.
Auch mit Bus und Bahn lässt sich der See gut erreichen:
Fahrpläne und Auskünfte zur An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln finden Sie unter www.rnv.marburg-biedenkopf.de oder www.rmv.de
Wasserverband Oberes Lahngebiet
Perfstausee Betreiber GmbH
Im Lichtenholz 60
35043 Marburg
Tel.: +49 (0) 6421 / 405-1535
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